Fortsetzungen, Remakes, Franchises: Warum Hollywood auf Bekanntes setzt
Superhelden, Teil 4 und Neuauflagen: warum die großen Studios so oft auf bekannte Marken setzen und warum Originalstoffe trotzdem eine Chance haben.

Wer das Programm eines großen Kinos durchsieht, entdeckt jedes Jahr viele vertraute Namen: Superhelden, Fortsetzungen, Neuauflagen bekannter Klassiker und Realverfilmungen von Zeichentrickfilmen. Völlig neue Geschichten sind unter den größten Produktionen eher selten. Warum ist das so?
Das Risiko ist enorm
Ein großer Hollywoodfilm kostet heute oft weit über hundert Millionen Dollar, und dazu kommen noch einmal hohe Summen für Werbung. Für ein Studio ist jeder dieser Filme eine riesige Wette. Eine bekannte Marke senkt das Risiko: Das Publikum kennt die Figuren bereits, die Fans kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder, und das Marketing muss weniger erklären.
Ein weltweites Publikum
Große Filme werden für den Weltmarkt produziert. Eine Figur, die in Wien, Seoul und São Paulo gleichermaßen bekannt ist, lässt sich überall leichter bewerben als eine neue Geschichte. Action und visuelle Effekte funktionieren zudem über Sprachgrenzen hinweg besser als dialoglastige Komödien, deren Witz in der Übersetzung verloren gehen kann.
Das Franchise-Prinzip
Spätestens seit „Krieg der Sterne“ wissen die Studios, dass ein erfolgreicher Film mehr ist als ein einzelnes Produkt. Spielzeug, Videospiele, Bücher, Freizeitparks und Serien bringen zusätzliches Geld. Das Marvel Cinematic Universe, das 2008 mit „Iron Man“ begann, hat dieses Prinzip auf die Spitze getrieben: Dutzende Filme und Serien sind miteinander verbunden, und wer alles verstehen will, muss möglichst viel davon sehen.
Mehr über die Anfänge des Blockbuster-Kinos liest du in unserem Beitrag Was ist eigentlich ein Blockbuster?.
Die Kehrseite
Für das Publikum hat diese Strategie zwei Seiten. Einerseits bekommt man aufwendige, technisch perfekte Unterhaltung mit Figuren, die man mag. Andererseits wirkt vieles austauschbar, und die Ermüdung ist spürbar. Wenn zu viele Filme einer Reihe in kurzer Zeit erscheinen, sinkt bei manchen Zuschauern die Lust, jeden davon im Kino zu sehen.
Auch für die Kinos ist die Abhängigkeit von wenigen großen Titeln ein Problem. Fällt ein erwarteter Hit aus oder wird verschoben, wie es während der Pandemie häufig passiert ist, fehlen die Besucher. Wie stark das Kinojahr damals durcheinandergeriet, zeigt unser Rückblick auf die Blockbuster 2021.
Originale haben trotzdem eine Chance
Es gibt immer wieder Gegenbeispiele. Filme wie „Everything Everywhere All at Once“ haben gezeigt, dass eine eigenwillige, originelle Geschichte ein großes Publikum finden und sogar den Oscar als bester Film gewinnen kann. Auch Regisseurinnen und Regisseure mit einer klaren eigenen Handschrift ziehen viele Menschen ins Kino, wenn die Mundpropaganda stimmt.
Dazu kommt, dass Streamingdienste und kleinere Studios gezielt nach Stoffen suchen, die sich von der Masse abheben. Nicht jeder davon wird zum Hit, aber die Vielfalt ist größer, als ein Blick auf die Plakate im Multiplex vermuten lässt.
Unser Tipp
Wer genug von Fortsetzungen hat, kann gezielt Programmkinos und Filmfestivals besuchen oder bei Streamingdiensten abseits der Startseite stöbern. Eine Auswahl österreichischer Filme, die man kennen sollte, findest du in unserem Beitrag zum österreichischen Kino.


