Österreichisches Kino: Filme, die man kennen sollte
Von Sissi bis Haneke: eine Auswahl österreichischer Filme und Wien-Klassiker, die zeigen, wie vielfältig das Kino aus Österreich ist.

Österreich ist ein kleines Filmland mit einer erstaunlich großen Bandbreite: von den Heimat- und Kaiserfilmen der Nachkriegszeit über schwarzhumorige Krimis bis zu preisgekrönten Autorenfilmen. Diese Auswahl ist bewusst persönlich und keineswegs vollständig, aber sie gibt einen guten Einstieg.
Der dritte Mann (1949)
Streng genommen ist „Der dritte Mann“ eine britische Produktion. Trotzdem gehört er auf jede Liste, denn kaum ein Film hat das Bild von Wien so geprägt. Regisseur Carol Reed zeigt die zerbombte, in Besatzungszonen geteilte Stadt nach dem Krieg, mit schiefen Kameraperspektiven, nassem Kopfsteinpflaster und der berühmten Jagd durch die Kanalisation. Dazu kommt die Zithermusik von Anton Karas, die man nach einmal Hören nicht mehr vergisst. Orson Welles hat als Harry Lime nur wenige Minuten Leinwandzeit und dominiert trotzdem den ganzen Film.
Sissi (1955)
Ernst Marischkas Film über die junge Kaiserin Elisabeth machte Romy Schneider berühmt und wurde zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Filme überhaupt. Zwei Fortsetzungen folgten. Historisch genau ist die Geschichte nicht, aber als Zeitdokument des Nachkriegskinos und als Familienfilm zu Weihnachten hat die Trilogie bis heute ihre Fans.
Der Bockerer (1981)
Karl Merkatz spielt den Wiener Fleischhauer Karl Bockerer, der sich während der NS-Zeit mit Sturheit, Witz und Grant gegen die neuen Machthaber behauptet. Franz Antel verfilmte damit ein Theaterstück und schuf einen Film, der Komödie und ernstes Thema verbindet. Mehrere Fortsetzungen folgten.
Komm, süßer Tod (2000) und die Brenner-Krimis
Mit der Verfilmung des Krimis von Wolf Haas begann eine Erfolgsgeschichte. Regisseur Wolfgang Murnberger und Hauptdarsteller Josef Hader machten den wortkargen Ex-Polizisten Simon Brenner zur Kultfigur. Es folgten unter anderem „Silentium“ und „Der Knochenmann“. Der Humor ist rabenschwarz, der Wiener Schmäh allgegenwärtig, und wer die Romane kennt, erkennt den eigenwilligen Erzählton wieder.
Die Fälscher (2007)
Stefan Ruzowitzky erzählt die Geschichte eines Fälschers, der im Konzentrationslager Sachsenhausen gezwungen wird, für die Nationalsozialisten Banknoten zu fälschen. Karl Markovics spielt die Hauptrolle. Der Film gewann 2008 den Oscar als bester fremdsprachiger Film, den ersten für Österreich in dieser Kategorie.
Das weiße Band (2009) und Liebe (2012)
Michael Haneke ist der international bekannteste Regisseur Österreichs. Für „Das weiße Band“, eine deutsch-österreichische Koproduktion über ein Dorf in Norddeutschland kurz vor dem Ersten Weltkrieg, erhielt er die Goldene Palme in Cannes. Mit „Liebe“, einem stillen Film über ein altes Ehepaar, gelang ihm das gleich noch einmal. „Liebe“ gewann außerdem den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Leichte Kost sind Hanekes Filme nicht, aber sie bleiben im Kopf.
Atmen (2011)
Mit seinem Regiedebüt zeigte Karl Markovics, dass er auch hinter der Kamera überzeugt. Ein junger Mann aus einer Jugendstrafanstalt beginnt bei einer Bestattung zu arbeiten und muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Ein ruhiger, genau beobachteter Film über Schuld und Neuanfang.
Ich seh, Ich seh (2014)
Veronika Franz und Severin Fiala drehten einen Horrorfilm, der international für Aufsehen sorgte. Zwei Zwillingsbuben zweifeln daran, dass die Frau mit dem bandagierten Gesicht wirklich ihre Mutter ist. Wer gern gruselt, sollte ihn kennen.
Wo man die Filme sehen kann
Viele dieser Filme laufen regelmäßig im ORF, in Programmkinos oder bei Festivals, manche sind auf Streaming-Plattformen oder als DVD erhältlich. Warum Österreich auch für internationale Produktionen immer interessanter wird, liest du in unserem Beitrag zum Filmstandort Österreich.


